Jako: PR Desaster oder Glanzstück?

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3. September, 2009 · Keine Kommentare

Jako mag Trainer Baader nicht

Jako mag Trainer Baader nicht

Aktuell macht ein neuer Fall von missglückter PR Arbeit die Runde. Dabei verklagt der Sportartikelhersteller Jako ein kleines Blog, weil dessen Autor anläßlich der Veröffentlichung des neuen Firmen-Logos etwas über die Jako AG herzog (“Schlurchmarke”). Jeder hat mal nen schlechten Tag und somit erstmal nichts besonderes, der Blogger sah ein, dass er über die Stränge geschossen hatte, löschte den Artikel in seinem Blog und zahlte rund 1000 Euro Strafe samt Unterlassungserklärung. Was dann folgte war allerdings schon besonders…

Das Nachbeben

Die von Jako beauftragte Kanzlei Horn & Kollegen scheint entweder große Teile des Internets nicht zu verstehen oder eine eigene Rechtsauffassung zu haben. Denn wenn es nach den Rechtsanwälten ginge, würde alles unter dem Dogma stehen “Wenn jemanden etwas erzähle und dieser es weitererzählt, hafte ich dafür” oder konkreter auf den Fall bezogen: “Wenn andere Seiten ein Blogpost von mir zitieren, muss ich alle diese Zitate löschen, wenn ich den ursprünglichen Blogpost lösche”. Die Piratenpartei reibt sich schon die Hände.

Was ist also genau passiert? Verschiedene News-Aggregatoren hatten den Jako Post des Fußball-Bloggers “Trainer” Frank Baade automatisch aufgenommen und auf ihrer eigenen Seite angezeigt. Solche Aggregatoren gibt es wie Sand am Meer, der bekannteste ist wahrscheinlich Google News, aber in diesem speziellen Fall ging es um newstin.de. Diese Aggregatoren durchsuchen vollautomatisch Blogs nach neuen Einträgen und fassen diese dann zusammen, so dass ihr Nutzer eine schnelle Übersicht über aktuelle Geschehen in der Blogosphäre bekommt. Die Betonung liegt hierbei auf vollautomatisch, denn der abgemahnte “Trainer” Baade konnte nichts dafür, dass der besagte Aggregator sein Blogposts aufgenommen hatte. Nachdem er den Eintrag auf seinem Blog gelöscht hatte, wurde dieser allerdings nicht automatisch aus den Aggregatoren gelöscht. Und deswegen soll “Trainer” Baade jetzt 5.000 Euro Vertragsstrafe zahlen, da er der Unterlassungserklärung nicht nachgekommen sei und weiter über das Jako Logo lästere.

Ich versuche das gerade halbwegs kurz zusammenfassen, eine wunderbare ausführliche Version der ganzen Geschichte findet man auf dem allesaussersport-Blog. Die Geschichte hat mittlerweile aber auch weitere Wellen geschlagen und findet Erwähnung bei Heise.de und Spiegel.de.

Inszenierung oder PR-Fehltritt

Jako: Viel Kritik bei Twitter Netzpolitik.org schreibt über den Vorfall leicht sarkastisch, als ob es eine inszenierte Social Media Kampagne sei, bei der man mit wenig Geld viel Aufmerksamkeit erregt (“David gegen Goliath!”). Wenn man das ganze auf die Spitze treiben wollte, könnte man auch behaupten, das ganze sei auch von Baade mitgetragen und als Linkbait gedacht, aber dafür wirkt sein Blog nicht umbedingt so als wolle es um Teufel-komm-raus Traffic generieren.

Bei Twitter erzürnen sich derweil viele Benutzer über Jako und in Minutentakt gibt es neue Tweets zu dem Thema. Natürlich gibt es auch die Stimmen, die sagen, dass in zwei Wochen kein Hahn mehr danach kräht – was vermutlich auch stimmt, aber dennoch steckt hinter der ganzen Diskussion ja eine wichtige Frage, die ähnlich wie bei Zensursula in dem Geschrei über den Einzelfall unterzugehen droht.

Netz-Philosophie

Denn hinter der Diskussion steht ja die Frage, ob jemand im Streitfalle seine Behauptungen komplett aus dem Internet entfernen muss, wenn er diese widerruft oder nur dafür sorgen muss, dass sie an der ursprünglichen Quelle (in diesem Fall das Trainer Baade Blog) gelöscht wird.

Wenn zum Beispiel die Bild Zeitung mal wieder munter losschießt, genügt dort ein einfacher Widerruf am nächsten Tag, der erklärt, dass das was man am letzten Tag gesagt hat, Humbug war. Dass das Geschwätz vom Vortag mittlerweile die Runde gemacht und in verschiedenen Medien gelandet ist, ist dann nicht mehr der Bild Zeitung anzukreiden und sie muss auch nicht dafür sorgen, dass die anderen Medien die Falschinformation entfernen.

Wieso sollte das also ein Kleinbog, dessen Post um die ca. 400 Leute gelesen haben, knapp 10.000 Euro (in der Summe) Strafe zahlen und das mit Open-End, denn wenn ein neuer Aggregator-Eintrag gefunden wird, sind wir 5.000 Euro fällig.

Ich hoffe, dass wenn es vor Gericht kommt, die Verantwortlichen sich der Thematik annehmen, wenn jemand eine Schuld trifft, dann die Aggregatoren, die nicht zeitig bemerkt haben, dass der Blog Eintrag gelöscht wurde und dementsprechend ihren eigenen Eintag dazu entfernt haben. Doch selbst dann wäre da ja noch die WayBackMachine, die ebenfalls automatisch ein Archiv des Webs erstellt, wo also das Protokollieren von Änderungen auf Webseiten der Service der Seite ist. Hoffentlich weiß Jako das nicht.

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